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Concerto

Concerto Nr. 224
Tobias Gebauer

Empfehlung der Redaktion von Concerto
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Für stilechten Genuss von Alter Musik könnten die Voraussetzungen, wie sie hier anzutreffen sind, im Grunde nicht besser sein: Ein musikalisches Spezialgebiet, interpretiert von einem ausgezeichneten und in der Zeit bewanderten Organisten, eingespielt auf authentischem Instrument und als SACD produziert von einem besonders auch durch Orgelmusik profilierten Label.
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Auch wenn er einst der spanische Bach genannt wurde, ist er in heutigen Konzertprogrammen nicht allzu oft vertreten, der Komponist und Kathedral-Organist im barocken Valencia, Juan Cabanilles. Der Zeitgenosse Buxtehudes brachte mit wegweisenden stilistischen Innovationen die iberische Orgelmusik entscheidend voran und fand daher auch in Zentraleuropa seine Bewunderer. Gleichzeitig nahm Cabanilles aber auch bewusst überregionale Impulse auf, um dadurch die berühmte Balance zwischen Fortschritt und Tradition seiner Kunst zu bewahren. Und so sind die von ihm gepflegten
Gattungen vor allem traditionell spanischer Natur stilistisch auf der Höhe der Zeit um die Wende zum 18. Jahrhundert.
Diesem reichen Oeuvre widmet sich Leon Berben und präsentiert in einer hervorragenden Einspielung eine Auswahl an Tientos, Pasacalles und Gallarden. Für stilechten Genuss von Alter Musik könnten die Voraussetzungen, wie sie hier anzutreffen sind, im Grunde nicht besser sein: Ein musikalisches Spezialgebiet, interpretiert von einem ausgezeichneten und in der Zeit bewanderten Organisten, eingespielt auf authentischem Instrument und als SACD produziert von einem besonders auch durch Orgelmusik profilierten Label.
Neben Berbens mustergültiger Leistung steht vor allem die Orgel im Mittelpunkt der anspruchsvollen Produktion. Das spanische Instrument von ca. 1760 (Lorenzo de Arrázola, Ataun) ist ein wunderbares Beispiel für die Eigenart des geteilten Manuals, einem Charakteristikum der iberischen Orgellandschaft zur Zeit Cabanilles', bei der auf einem Manual zwei Klangfarben gleichzeitig realisierbar sind. Zahlreiche Komponisten integrierten diese Gegebenheiten in ihre Werke, darunter auch Cabanilles.
Besonders in seinen Tientos, einer eher technisch als formal gebundenen Gattung der iberischen Instrumentalmusik mit prägender polyphoner Struktur, setzt Cabanilles diese instrumentale Möglichkeit voraus und verwendet gezielt Kontrastwirkungen, wie sie solche spanischen Orgeln adäquat umsetzen konnten - natürlich in Abhängigkeit von den Fähigkeiten des Organisten.
Unterm Strich schlägt sich Leon Berben ausgezeichnet mit dieser nicht immer leicht handhabbaren Literatur. Denn abgesehen von einer stilechten Interpretation bleibt es ja immer eine Herausforderung, mit 80 Minuten Spezialliteratur einen breiten Hörerkreis zu erreichen. Hier liegt die Stärke in Berbens Interpretation und in der Produktion. Es herrscht eine stete Balance zwischen den von Cabanilles geforderten Kontrasten in Klangfarbe, kompositorischer Anlage, melodischer Führung und organistischer Freiheit. Im Ergebnis wirken die oft in kleine Segmente gegliederten und von Berben mit hörbarem Genuss verzierten Stücke dennoch wie aus einem Guss. Die bemerkenswerten Register seines klangschönen, wenn auch nicht überragenden Instruments gebraucht er nur im Sinne seiner musikalischen Idee und geht mit Effekten gewohnt sparsam um.
Dem fabelhaften Höreindruck stellt Aeolus zudem ein tadellos ediertes Booklet zur Seite, das fundiert an die Materie heranführt - in allem eine empfehlenswerte Produktion.
Tobias Gebauer

Rezension im Original laden:
Concerto_AE_10671.jpg 311,74 kB
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