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Kulturradio RBB

Kulturradio RBB 12.06.2012
Bernhard Schrammek

kulturradio rbb KKKKK
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Eine Klasse für sich (...) Selten hat man bei diesen Konzerten einen solch vollen und differenzierten Cembaloklang sowie einen solch transparenten Orchesterklang gehört.
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Gibt es nicht langsam genug Aufnahmen der Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach? Diese Frage stellt sich, nachdem innerhalb von Jahresfrist Martin Stadtfeld, Sebastian Knauer, Ramin Bahrami und andere Pianisten Neuproduktionen der Werke vorgelegt und damit die bereits existierende Zahl der Aufnahmen nochmals vergrößert haben. Die Konzerte erklingen immer häufiger auf modernen Konzertflügeln, begleitet von größeren Orchestern und werden hochvirtuos dargeboten. Und nun legt der finnische Cembalist Aapo Häkkinen erneut die erste Folge einer Gesamtaufnahme der Bachschen Konzerte vor...

Streng an der historischen Aufführungspraxis orientiert

Doch schon beim ersten Hineinhören wird deutlich, dass Häkkinen alles anders macht und sich dabei streng an den Erkenntnissen der Musikwissenschaft, der Aufführungspraxis und der Instrumentenkunde orientiert. Das Wichtigste zuerst: Er wählt als Soloinstrument die Kopie eines gewaltigen zweimanualigen Cembalo von Johann Adolph Hass (1760), das neben zwei 8‘- und einem 4‘-Register auch ein 16‘-Register aufweist. Solcherlei Instrumente waren auch Bach bekannt und vertraut, möglicherweise besaß er selbst ein 16‘-Cembalo. Durch die vier verschiedenen Register, vor allem durch den grundtönigen 16‘-Klang ergibt sich ein enormes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten. Die Besetzung seines Helsinki Baroque Orchestra reduziert Häkkinen auf sechs Personen, wobei er auf die Mitwirkung eines Kontrabasses verzichtet und stattdessen einen 8’-Violone einsetzt. Auch hierbei folgt er den Forschungsergebnissen, wonach Bach im Café Zimmermann ein solistisch spielendes Orchester einsetzte.

Eine Klasse für sich

Das Ergebnis dieser strengen Aufführungspraxis ist überaus bemerkenswert: Selten hat man bei diesen Konzerten einen solch vollen und differenzierten Cembaloklang sowie einen solch transparenten Orchesterklang gehört. Da sich Häkkinen überdies nicht an der Rekordjagd nach der kürzesten Satzlänge beteiligt, sind auch die kleinsten Verzierungsdetails wahrzunehmen. Als besonderen Bonus gibt es zusätzlich noch die delikate Einspielung des Italienischen Konzerts von Bach, in der die ganze Klasse von Häkkinen und seinem bevorzugten Instrument hörbar wird.
Gibt es nicht langsam genug Aufnahmen der Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach? Nein, diese hat tatsächlich noch gefehlt!

Bernhard Schrammek, kulturradio

Rezension im Original laden:
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